TDK Electronics · TDK Europe

Interview mit Josef Vissing und Steve Elliot

21. Oktober 2026

„Europa bietet uns viele gute Möglichkeiten!“

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In Europa stehen die beiden wichtigsten Abnehmerbranchen von TDK vor großen Herausforderungen. Unter dem Druck vor allem chinesischer Hersteller restrukturiert sich die Automobil-Industrie und verlagert Produktion und zentrale Unternehmensfunktionen weiter nach Osteuropa. Gleichzeitig investiert Europa im Bereich Industrial stark in AI-Infrastruktur, um die technologische Abhängigkeit von China und den USA zu reduzieren. TDK Europe, die Vertriebsorganisation von TDK für den europäischen Markt, passt sich den neuen Rahmenbedingungen durch eine zukunftsorientierte und agile Aufstellung in Europa an.

Ein Gespräch mit TDK Europe-Präsident Josef Vissing und Steve Elliot, Head of Sales Europe.

Welche Veränderungen auf dem europäischen Markt beschäftigen Sie zurzeit am meisten?

Vissing: Ein wesentlicher Aspekt ist, dass sich die Automobil-Industrie neu ausrichtet. Die große Herausforderung der europäischen Hersteller ist ja, dass China als wichtigster Absatzmarkt durch die Umstellung auf E-Fahrzeuge extrem unter Druck geraten ist. Früher wurde ein großer Teil des Gewinns in China gemacht, jetzt liegt der Anteil europäischer Hersteller am chinesischen E-Fahrzeugmarkt bei einer niedrigen Prozentzahl. In China werden derzeit vor allem chinesische Autos zugelassen.

Elliot: Gleichzeitig drängen chinesische Hersteller wie BYD oder Xpeng ganz massiv auf den europäischen Markt und bauen hier zum Teil auch eigene Werke, wie BYD in Ungarn. Die chinesischen Hersteller sind inzwischen die größten Wettbewerber für die europäische Automobil-Industrie, die damit doppelt unter Druck geraten ist.

Was unternimmt TDK, um verstärkt Zugang zu chinesischen Automobil-Herstellern in Europa zu gewinnen?

Vissing: Chinesische Hersteller in Europa eröffnen uns zusätzliche Chancen. Wir stimmen uns eng mit unseren Kollegen in China ab, um die Kunden zum richtigen Zeitpunkt anzusprechen. Aber es wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, bis das Geschäft für uns in Europa Fahrt aufnimmt, da die chinesischen Fahrzeughersteller die Elektronik zunächst noch aus China importieren.

Bleibt die Automobil-Industrie die größte Abnehmerbranche für TDK Produkte in Europa?

Elliot: Die Automobil-Industrie bleibt unser größter Markt in Europa, während Industrie-Anwendungen und neue Märkte im Bereich der AI-Infrastruktur zunehmend an Bedeutung gewinnen. Aber: Das Automotive-Geschäft allein wird für künftiges Wachstum nicht ausreichen. Deshalb haben wir bereits vor einiger Zeit damit begonnen, uns breiter aufzustellen.

Vissing: Die Automobil-Industrie bietet uns weiterhin große Geschäftsmöglichkeiten, zum Beispiel durch die Elektrifizierung, Software-Defined Vehicles und die Weiterentwicklung des autonomen Fahrens. Dafür haben wir sehr viele Produkte anzubieten. Der Industrie-Markt profitiert von dem massiven Bedarf des gesamten AI Ecosystems, insbesondere für die Infrastruktur und Energieversorgung von Datencentern.

Elliot: Auch Humanoide Roboter und Smart Glasses eröffnen viele neue Chancen für uns, vor allem im Bereich Sensorik. Wir haben verschiedene Projekte im Bereich Medizintechnik und bei Sicherheitsanwendungen mit neuen innovativen Produkten.

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Wie wichtig ist das Thema AI Ecosystem in Europa? Der globale AI-Markt und speziell die Rechen-Infrastruktur werden ja vor allem von den USA und China dominiert.

Elliot: AI ist auch in Europa extrem wichtig für TDK. Es gibt auch in Europa wichtige Entwicklungs- und Design-Center, die auf Infrastrukturlösungen und Stromversorgungen für AI und Daten-Center ausgerichtet sind. Dafür besteht ein enormer Bedarf, unter anderem an ultrakompakten Snap-in-Aluminium-Elektrolyt-Kondensatoren für leistungsstarke Server-Netzteile. Die Nachfrage nach diesen Kondensatoren ist so groß, dass wir die Produktion gerade mehr als verdoppeln, unter anderem am Standort Szombathely in Ungarn. 

Dazu kommen neue Chancen mit neuen Anwendungen im Bereich Energie-Übertragung, zum Beispiel bei unterbrechungsfreien Stromversorgungen im Mittelspannungsbereich. Zusätzlich werden in modernen AI-Daten-Centern zunehmend Solid-State-Transformatoren mit ihrem kompakten und flexiblen Design zum Einsatz kommen. Direkt und indirekt kommt aus dem Bereich AI für uns ein großer Teil des Wachstums sowohl für dieses Jahr als auch für die kommenden Jahre.

Welche Vorteile hat TDK in Europa gegenüber dem Wettbewerb?

Vissing: Wir haben zu vielen unserer Kunden langjährige, gute Beziehungen, und wir sind mit 17 Vertriebsbüros in Europa persönlich vor Ort. Diese Nähe und das über Jahre aufgebaute Vertrauen sind wichtige Vorteile im Vergleich zum Wettbewerb. Das kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Und: Wir investieren weiter in unsere Präsenz in Europa: In Regensburg entsteht ein neues EMV-Labor, in dem wir gemeinsamen mit unseren Kunden an Lösungen arbeiten. Das Labor ist damit ein weiteres wichtiges Werkzeug für Kundenbindung.

Darüber hinaus haben wir in Rumänien ein neues Vertriebsbüro eröffnet, um auch künftig nah bei unseren Kunden zu sein. Vor allem Automotive-Kunden haben in den vergangenen Jahren Fertigung, Forschung & Entwicklung und Einkauf in osteuropäischen Ländern aufgebaut.

 Figure 2

Bei der Eröffnung des TDK Vertriebsbüros in Timișoara in Rumänien, von links: Uwe Aistleitner (Managing Director Central and South Eastern Europe und Managing Director Vertriebsbüro Timișoara), Andrei Buhaceanu (Strategic Account Manager Aumovio und ebenfalls Managing Director Vertriebsbüro Timișoara), Josef Vissing (President TDK Europe) und Oliver Hüttner (Managing Director TDK Europe).

 Figure 3

Der TDK Hauptstand zeigt in Halle B5.520 auf rund 540 Quadratmetern Lösungen für das AI Ecosystem, für Automotive, Industrial und ICT.

 

 

 

 

Müssen wir uns Sorgen machen um Europa?

Vissing: Europa ist gerade in mancher Hinsicht in einer nicht einfachen Situation. Wir als TDK müssen uns Gedanken machen, aber keine Sorgen. Wir setzen weiterhin auf den europäischen Markt und auf unsere langjährigen Beziehungen zu vielen großen Kunden, mit denen wir vertrauensvoll zusammenarbeiten. Europa bietet uns viele gute Möglichkeiten! Um diese zu nutzen, müssen wir uns immer wieder neu ausrichten und uns an veränderte Situationen anpassen.

Elliot: Europa muss sich neu ausrichten und sich emanzipieren. Ich bin selbst Franzose mit einem britischen Namen und lebe seit mehr als 20 Jahren in Deutschland. Das allein zeigt schon: Ich bin ein Europa-Fan. Aber ich sehe auch, dass wir uns stärker als Europäer an die neuen geopolitischen Entwicklungen anpassen müssen.

Im nächsten Jahr wird die neue Struktur des europäischen TDK Vertriebs mit den fünf Hubs West, Central, East, Distribution und Strategic Automotive Accounts (SAA) zusammengefasst. Was ist das Ziel der neuen Organisation?

Vissing: Wir passen unsere Vertriebsorganisation stärker an die veränderten Rahmenbedingungen in Europa an. Darüber hinaus können wir Kunden jetzt auch ein breiteres Angebot an Sensor-Lösungen des TDK Konzerns bieten. Gerade im Bereich Sensorik haben wir viele überzeugende, innovative Produkte, die wir über unseren starken Kundenzugang promoten und zum erfolgreichen Design-Win bringen.

Schauen wir auf die electronica, die vom 10. bis 13. November in München stattfindet? Was können Besucher des TDK Messestandes in Halle B5.520 erwarten und worauf freuen Sie sich am meisten?

Elliot: Wir zeigen auf der electronica innovative und leistungsstarke Produkte vor allem für das AI Ecosystem. Besucher können in kurzer Zeit Demo-Stände mit unterschiedlichen TDK Technologien erleben und so einen Blick in die Zukunft der AI werfen. Natürlich wird es am Stand auch Lösungen für Automotive, Industrial und ICT geben.

Darüber hinaus ist die electronica in München aber auch eine der besten Gelegenheiten, sich in inspirierender Atmosphäre mit Kunden und Geschäftspartnern über künftige Trends auszutauschen. Innerhalb von wenigen Tagen haben wir die Gelegenheit, viele Gespräche zu führen und unsere guten Kundenbeziehungen weiter zu stärken. Darauf freuen wir uns sehr!


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